Es gibt eine Vorsilbe, die mich durch mein gesamtes geisteswissenschaftliches Studium begleitet und stetig ein bisschen mehr begeistert. Ich bin "Post"-verknallt. Das heißt, dass ich eine Vorliebe und Faszination für alles hege, was mit der Vorsilbe "Post-" einhergeht: Postdramatik, Poststrukturalismus, die Postmoderne, auch nicht zu vergessen Post-Metal und Post-its - alles fester Bestandteil meines Interessenspektrums. All diese Begriffe hegen etwas wahrlich Destruktives, Hinterfragendes und Richtungsweisendes, wenn man es mit dem Teil, der der Vorsilbe folgt, vergleicht. Und diese jene Post-Affinität ist im neuen Jarmusch-Streifen nun voll auf ihre Kosten gekommen, denn der Film ist ein postmodernes Filmkunstwerk wie es im Buche steht. Ohne hier zu spoilern versuche ich, ein paar Gründe dafür zu benennen.

Die neue Bestatterin bei der Arbeit // © Arthaus Film

Zunächst einmal fallen die für Jarmusch untypisch komischen Charaktere ins Auge. Vor allem die drei Hauptakteure (gespielt von Chloë Sevigny, Bill Murray und Adam Driver) zeichnen sich durch einen extrem flachen, trockenen, fast farcehaften Humor auf sprachlicher Ebene aus, zum Beispiel durch Pointen, die auf erwartbare Wiederholungen gelegt sind. Als wahrhaft ausgezeichnete Besetzung bestätigt sich Bill Murray mit seiner Gabe, selbst die Nachfrage nach Kaffee und Donuts witzig erscheinen zu lassen. Aufgrund ihrer unterschiedlichen Reaktionsmuster könnte man annehmen, dass die drei Hauptcharaktere verschiedene Mentalitäten symbolisieren, die auf ihre jeweilige Art und Weise mit der drohenden Gefahr umgehen.

Ein großes Thema ist auch die - typisch postmoderne - Intertextualität. Gerade für Filmkenner ein Heidenspaß, mit mehr angesammeltem Filmwissen auch mehr Referenzen ausmachen zu können. So ist der Film gespickt von allgemeineren popkulturellen Referenzen sowie Verweisen auf vorangegangene Rollen der Schauspieler*innen, was mich auch ziemlich überrascht hat.

In Bobbys "Chamber of Horrors" // © Arthaus Film

Was die Erzählebene betrifft findet man einige Sub-Plots, die ins Nichts führen, Unterhaltungen und Kommentare, die Fragen aufwerfen, und wirklich seltsame, unnachvollziehbare Dialoge, die zum Austausch fragender Blicke mit der Kinobegleitung verleiten. Als weiteres humoristisches Element wird die Erzählebene durch eine filmisch-ironische Metaebene dekonstruiert, die sich durch den ganzen Film zieht. Kommentare und Voraussagungen zum Filmplot sowie der partielle Bruch der filmischen Ebene (wobei visuelle Brüche, etwa so wie in Pulp Fiction, mir etwas unnötig erscheinen) erwecken fast den Anschein, als observierten wir nicht die Charaktere, sondern die Schauspieler*innen selbst, was noch verstärkt wird durch zahlreiche Rollenreferenzen. Auf der Suche nach einer Botschaft lassen sich also nicht nur über die Figur des Zombies schon vorher Vermutungen anstellen. Es handelt sich hier um eine trockene Komödie, der man durchaus Tiefgang unterstellen kann, am Ende aber die Zuschauenden selbst entscheiden, inwiefern dem ganzen Szenario eine umwelt- und kapitalismuskritische oder gar nihilistische Grundaussage angetragen werden kann. Oder alles einfach nur ein großer Witz ist.

Fazit: Allen, die gern zum Sich-Wundern ins Kino gehen und Freude an trockenem Humor haben, sei dieser Film dringend empfohlen.